Das Spiegel-Haus

Das Spiegel-Haus.
In der Hafencity in Hamburg
Hrsg. Susanne Beyer und Martin Doerry
Deutsche Verlags-Anstalt, München
1. Auflage 2011 
gebunden, 144 Seiten
Größe: 24,6 x 22,6 x 2 cm  
Gewicht: 760g
ISBN: 978-3421038616 
Das Buch ist wie ein Geschenk, vielleicht für Mitarbeiter im Spiegelhaus gedacht. Zahlende Abonnenten könnten ebenfalls in den Besitz gelangen. Inhaltlich geht es um den Neubau des Spiegel Verlagshauses in der Hamburger Hafencity, wo auch das Wochenmagazin und Zentralorgan "Der Spiegel" beheimatet ist. Herausgegeben wurde der Band von Susanne Beyer und Martin Doerry. 
 
"Der Spiegel" begründet den Umzug in ein neues Gebäude, weil sich die gleichnamige Verlagsgruppe in den letzten Jahren ständig vergrößert hat. Die vorliegende Monografie will das architektonische Konzept und die Bedeutung des Gebäudes für die Hamburger Hafen City näher erläutern. Der Bildband verfügt über 144 bedruckte Seiten im Format 24,6 x 22,6, ist also fast quadratisch in einem freundlichen Bilderformat publiziert.
 
Zu den Ansprüchen der Geschäftsführung im neuen Spiegel-Haus, die vorher 42 Jahre an der Brandstwiete in Hamburg verbrachte, wo auch Rudolf Augstein arbeitete, war, daß der Neubau höchsten ökologischen Ansprüchen genügt. Das klingt vielversprechend um auf ein bedeutendes Bauwerk dieser Höhe und Größe zu blicken. Das Gebäude hat vier ungleich lange Seiten, wobei die Nordseite mit über 97 Metern die längste ist. Die 14 Stockwerke erreichen eine Höhe von über 60 Meter.
 
Interessanterweise beginnt das erste Kapitel mit einer Architekturkritik: "selbstbewußte Architektur - eine Kritik" nennt sich das formal. Es folgt eine Beschreibung zum Atrium als wesentlicher Bestandteil des Gebäudes, wie auch die Kantine einbezogen wurde in den Kontext. Der flirrende Raum beinhaltet das Interview mit Peter Ippolito, der einer der Innenarchitekten der Kantine ist. Es folgen Arbeitsplätze, die Konferenzräume und anderes mehr. Und eben das was zu einem Neubau dieser Kategorie heutzutage dazugehört.
 
Skizze a und b  Atrium, Handskizze      
 
Entworfen hat das Gebäude der dänische Architekt Henning Larsen, der durch den Entwurf der Königlichen Oper in Kopenhagen bekannt wurde. Er war aus einem Wettbewerb im Jahre 2007 als Gewinner hervorgegangen.
 
Allein das Atrium im Spiegel-Haus ist beeindruckend, eine rautenförmige Öffnung die nach oben strebt, verbunden durch Querverstrebungen in Form von Fußgängerbrücken durch die Atriumöffnung auf die gegenüberliegende Seite. Das sind Abkürzungswege für die Mitarbeiter, um nicht den langen Weg durch das Treppenhaus gehen zu müssen. Weiß und holzgetäfelt abwechselnd auch über verschiedene Stockwerke hinweg erschließen sich diese Querverbindungen.
 
Manche der Arbeitsplätze im Spiegel-Haus wirken luftig und haben viel Licht. Die Innenwand gegenüber der Fensterfront ist verglast, so daß das Licht bis in den Flur strömen kann. Zwischen den einzelnen Büros fehlen Trennwände, die durch halbhohe Aktenkästen ersetzt wurden. Es ist eine Form des Kombibüros, was hier präsentiert wird aus dem Manager Magazin. Spiegel Online und Spiegel TV warten mit neuestem technischen Standard auf. In die Decken integrierte Beleuchtung sorgt für eine gleichmäßige Lichtverteilung in den Konferenzräumen.
 
Erwähnung findet die Snackbar im Neubau, der Umzug aus dem alten Gebäude mitsamt den Dekorationen in die großen Fensterhöfe im Neubau verlagert, wird etwas großspurig als "Umzug einer Stilikone" bezeichnet. Viel rotes Licht im übrigen soll Atmosphäre bringen. Sehr stilvoll eingerichtet!
 
Anschließend wird in mehreren Beiträgen auf die Qualitäten der Hafencity Bezug genommen, indem auf die Entstehung eines neuen Stadtteils hingewiesen wird. Verhangener Himmel und backsteinrote Fassaden mit spitzen Türmen überwiegen im Bild neben exklusiven und schwungvollen Neubauten am Wasser gelegen. Auch ein historischer Rückblick ist Bestandteil der Ausführungen.
 
Beeindruckend sind die Baustellenbilder. Hier wurden 650 Betonpfähle zur Gründung in den Boden gesetzt, ähnlich wie dies unter dem Neubau des Frankfurter Städel von Schneider und Schumacher der Fall ist, womit dem Gebäude ein sicherer Stand auf lehmigem Boden gegeben werden soll. In Hamburg wurden die Pfähle zudem geothermisch aktiviert. Die Gesamtbauzeit dauerte 3 Jahre. An den Gewerken waren rund 50 Firmen beteiligt.
 
Es ist die Rede von Le Corbusier dem Vorbild von Richard Meier und seinem lichtdurchfluteten Museum für Angewandte Kunst in Frankfurt. Das Bauhaus wird aufgezählt in Bezug auf den Bau an der Ericusspitze zwischen Elbphilharmonie und Bahnhofsareal, aber kein Wort wird über die Kosten verloren. Wieviel Millionen das Haus in der Hafencity verursacht sowie zur Kostenplanung wird keinerlei Stellung bezogen im repräsentativen Bildband.
 
Zuletzt sind aufklärende Grundrisse abgebildet in einem Maßstab ca. 1:1000, was immer noch groß genug für die abzudeckende Seitenfläche im Buch ist. Außerdem sind eine Ansicht und ein Schnitt der Nord-Süd-Achse mit abgebildet. Beide ziehen sich über das gesamte Gebäude. Es könnten ruhig mehr Pläne mit Abbildung vorhanden sein, um bessere Einsichten zu erlangen.
 
Last modified on Samstag, 08 August 2015 07:22
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