Napoli Super Modern

Napoli Super Modern
(Hrsg.) LAN – Local Architecture Network, Benoit Jallon, Umberto Napolitano mit Texten von Andrea Maglio, Umberto Napolitano, Gianluigi Freda und Manuel Orazi
Park Books, Zürich

1. Auflage, 2020

Language: English
232 Seiten
ISBN: 978-3-03860-218-7 

 

Dieses reich bebilderte Buch ist ein Denkmal des modernen Städtebaus in Neapel. Es enthält etwa fünfzig neue Fotos des berühmten französischen Fotografen Cyrille Weiner sowie historische Bilder, Zeichnungen wichtiger architektonischer Details und einen Atlas von achtzehn bedeutenden Gebäuden aus den Jahren 1930–1960, illustriert mit Lage- und Grundrissen, Ansichten und Schnitten. Es zeigt, wie die süditalienische Metropole ihre eigene Form der Moderne entwickelt hat, die mediterrane Kultur mit lokalen Materialien und einem starken internationalistischen Geist verband.

 

Die aktuellen Essays und prägnanten Beschreibungen der dokumentierten Bauten ergeben zusammen mit den aufwendigen Illustrationen ein äußerst ansprechendes und lebendiges Porträt Neapels. Diese faszinierende Stadt ist berühmt und berüchtigt zugleich – aber ihre architektonischen und städtebaulichen Qualitäten und Eigenheiten sollten besser bekannt sein. Mit Beiträgen von Gianluigi Freda, Abdrea Maglio, Umberto Napolitano und Manuel Orazi.

 

Blick ins Buch...

 

DAM Architectural Book Award 2021 Jurybegründung:

Wer den Diskussionen zu Erhalt, Funktion, Abriss oder Wiederaufbau von historischen Bauwerken in Deutschland folgt, könnte manchmal den Eindruck gewinnen, dass Architektur ganz unabhängig von ihrem Kontext verhandelbar sei. Gebäude werden zu beliebig befüllbaren und platzierbaren Hüllen, deren Wert eher dem einer hübschen Brosche gleicht, mit der sich eine Stadt schmücken kann. Interessanterweise wird aber gerade die Architektur der Moderne - der so gerne eine selbstverliebte Kontextlosigkeit vorgeworfen wird - dabei ausgespart.


Der Band "Napoli Super Modern" vom Team LAN mit Benoît Jallon, Umberto Napolitano und dem Fotografen Cyrille Weiner beschreitet einen anderen Weg. Am Beispiel von 18 Neapolitanischen Projekten aus den Jahren 1930 bis 1960 wird eine "versöhnliche" Moderne präsentiert: eine lokale und lokalisierte Strömung, die, wie Umberto Napolitano schreibt, auf abstrakte und idealisierte Modelle verzichtet und Gebäude auf ihren physischen, historischen, sozialen und geografischen Kontext maßschneidert.


Typologie, Größe und Gestaltung der gezeigten Projekte weisen eine große Bandbreite auf, die Auswahl liest sich wie eine sehr persönliche Führung durch die Stadt. Mit den Essays von Umberto Napolitano, Andrea Maglio, Manuel Orazi und Gianluigi Freda verweben sich die Projekte zu einer faszinierenden Erzählung über das Wechselspiel von Architektur und Kontext.


Das einfühlsame Fotoessay von Cyrille Weiner arbeitet mit vielfältigen Bildausschnitten. Mal werden die Gebäude eingebettet in ihre facettenreiche Umgebung gezeigt, mal ist auf einem Stadtpanorama nur ein Teil einer Fassade im Anschnitt zu sehen, und in einigen Detailaufnahmen ist lesbar, wie Natur und Benutzer sich die Architektur zueigen gemacht haben. Aber in jedem Bild wird deutlich, wie selbstverständlich sich die Gebäude - teilweise bis zum Verschwinden - in ihre Umgebung einfügen. Ausgehend von dieser Bilderstrecke werden die Projekte mittels präziser Zeichnungen Schicht für Schicht freigelegt, zunächst in einer Serie von den Texten begleitenden Fassadendetails und im letzten Teil des Buches, dem "Gebäudeatlas" mit umfassenden Einzelbeschreibungen, Grundrissen und Lageplänen.


Das Buch ist elegant gestaltet: Text- und Bildessays sind - mit reichlich Weißraum - auf weißem Papier gesetzt, der "technische" Teil der Projektbeschreibungen auf hellgrauem. Der Einband in hellblauem Leinen mit gelb folierter Prägung und das gelbe Lesezeichenband kommen nicht von ungefähr, es handelt sich um die Clubfarben des S.S.C. Napoli in den im Buch behandelten Jahrzehnten.


Napoli Super Modern ist nicht nur ein schönes Architekturbuch, sondern auch ein wichtiger Beitrag zur Debatte über die Rolle von sichtbarer und unsichtbarer Bausubstanz in den Städten jenseits der historischen "Superstars". 

Moritz Bernoully

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