Tragwerkslehre

Tragwerkslehre in Beispielen und Zeichnungen  
von Gottfried Leicher
Werner Verlag, Neuwied,
3. überarbeitete Auflage, 2010
510 Seiten, broschiert
Größe: 23,9 x 17 x 3 cm 
Gewicht: 850g
ISBN: 978-3804147720
Sachbücher, die sich in der Praxis bewehrt haben, werden mehrmals in überarbeiteten Auflagen herausgegeben. Der vorliegende Band ist ein solcher und hiermit schon in der dritten Auflage verlegt. Im Unterschied zur vorherigen Auflage hat sich das Buchformat um einiges verkleinert, was eigentlich schade ist. Was vorher wie ein Folioband aussah, ist auf das Standardformat zurückgesetzt worden. Es gibt weder Vor- noch Nachwort, in denen sich die Herausgeber zur Ausgabe äußern. Man schlägt das Buch auf und ab der ersten Seite beginnt das Kapitel über: Tragwerkskonstruktionen, was Punkt für Punkt in 4 Grundaufgaben gegliedert ist:  Überspannen, Stützen, Aussteifen und Gründen.
 
Ein recht übersichtlicher Vorgang, der grafisch mit Schemazeichnungen kurz bebildert ist. Das Schaubild legt die vier erwähnten Grundaufgaben des ersten Kapitels fein nummeriert nebeneinander. Das Tragverhalten durch Überspannen wird durch Balken und Platten  definiert. Wiederum einfach ist die schematische Darstellung eines Balkens, indem das Tragverhalten mathematisch in einer Formel aufgelöst ist. Diese Herleitung bedeutet vereinfacht die Zweiteilung in Lasten und das Auflager.
 
Liegen zwei Räume nebeneinander, die überspannt werden, dann werden für das Überspannen zwei getrennte Einfeldträger oder ein durchlaufender Zweifeldträger benötigt. Das ist simpel und genauso einfach und plausibel für jeden verständlich formuliert. 
 
Schon hier wird die Linearität deutlich mit der die Arbeitsschritte bei der Wissensvermittlung aufgeführt sind und womit im Buch Schule gemacht werden soll. Das Layout ist ganzseitig zur besseren Übersichtlichkeit auch in Spalten angelegt worden.
 
 
Ein anderer Band, der von Krauss, Führer, Neukäter "Grundlagen der Tragwerklehre 1" (2007) in der zehnten und überarbeiteten Auflage im Rudolf Müller Verlag, stellt ein Vorwort zur zehnten wie zur ersten Auflage noch vor dem Inhaltsverzeichnis dem Buch voran, um somit auf Neuerungen hinzuweisen. Das ist im allgemeinen üblich, insofern ist die rationelle Vorgehensweise bei Gottfried Leicher unüblich. Es gibt zu Denken, was damit bezweckt werden soll.
 
Bei Krauss, Führer, Neukäter, ein völlig anderer didaktischer Ansatz, sind nach einer Übersicht der allg. Bezeichnungen zuerst die Lasten erwähnt, was in Zahlenbeispielen und Lastaufteilungen dargestellt ist, wobei die angefügten Skizzen eine eigene Sprache haben, weil Zeichnungen sehr locker wirken und nicht statisch unlebendig sind. Der Satzspiegel im Layout teilt sich in zwei Spalten, wobei die linke Seite den Skizzen und schematischen Darstellungen vorbehalten bleibt, während rechts die Textspalte durch läuft.
 
Getrennt nach Kapiteln werden vor allem unterschiedliche  Auflager besprochen. Dazwischen steht noch das Kapitel über Gleichgewicht der Kräfte und Momente. Die ersten drei Kapitel bei "Krauss, Führer, Neukäter" sind auf 60 Seiten abgefasst. Das entspricht den ersten drei Kapiteln der "Tragwerkslehre in Beispielen und Zeichnungen", die jedoch durch eine andere rationellere Reihenfolge bestimmt sind und über 47 Seiten allein die Grundlagen behandeln. Einer Beschreibung der  Querschnittsformen in unterschiedlichen Materialien und aufgelöste Formen werden bei Gottfried Leicher die  Fachwerke angefügt.
 
 
Im nächsten Kapitel 1.1.2. der "Tragwerkslehre" folgen Hängewerke, damit sind Seilwerke gemeint, die ein Werk überspannen sollen. Balken unterscheiden sich von Seilen dadurch, daß sie praktisch keine Formstabilität besitzen, sie geben solange nach bis sie die Lasten nur noch durch Zugkraft abtragen. Das Seil ist dann straff.
 
Die nächste Überlegung setzt sich mit Bögen und Gewölben  auseinander, das geht nach wie vor nach Fahrplan wie vorgegangen werden kann. In ähnlicher Weise folgt das zweite Kapitel mit Lasten am Bauwerk.
 
Physikalische Regeln bestimmen den Index, ein Bein nach dem anderen voransetzen, das bedeutet Schulung am eigenen Wissen. Daraus erschließt sich die Logik des Buches, die ausschließlich an Grundbegriffen der Statik festhält, wie das kleine Einmaleins es tut, das in der Grundschule gelehrt wird. Die Lasten  und die Kräfteverhältnisse sind die ausschlaggebenden Faktoren. Erste DIN Normen werden bestätigt, wie DIN 1055 (Nutzlasten im Hochbau).
 
Eine Tabelle schildert: Wohnhaus, Bürohaus, Krankenhaus und Schulen, unterteilt in Räume, Flure und Treppen. Die angegebenen Werte erscheinen in kN/ qm, Kilo-Newton je Quadratmeter.
 
Kapitel 3 beschreibt:  Gleichgewicht, Hebelgesetz und Drehmoment. Im Kapitel darauf finden Beispiele aus der Praxis Anwendung, wenn Schnittgrößen und Bemessung, Auflagerkräfte und Einfeldträger beschrieben sind. Mathematische Berechnungen ergänzen Überlegungen und vorgeschlagene Lösungswege in einfachen Beispielen, die Auflagerreaktionen AV und AH.
 
Berechnungen sind auf Schnittgrößen erweitert. Das bedeutet, es werden zahlreiche Sonderfälle betrachtet. Das Zusammenwirken der Kräfte von Gleichlast und Momentlast. Es folgt der Rechenweg mit den Biegelasten von Holz und Stahl. Einfaches Beispiel hierzu gibt die Erläuterung, warum gerade das T- oder I-Profil aus Stahl, das stabilste Moment in sich trägt. Ein T-Profil mit Ober- und Unterflansch ist die optimale Form, um die Biegebeanspruchung mit dem geringsten Materialaufwand aus Stahl zu erreichen. Viele Werte, die angegeben sind, werden in einfachen Tabellen übersichtlich zusammengefaßt.   
 
 
Im Vergleich noch eine ältere Ausgabe "Tragwerkslehre. Baustatik für Architekten Teil 1" aus der Reihe "Werner Ingenieur Texte" von Ernst Werner, 1. Auflage, 1974. ein schmales und kompaktes Taschenbuch, folgt eben dieser Linearität in der Logik. Formuliert in der Einführung die Grundsätze der Starrkörperstatik, um dann Lasten im Hochbau zu behandeln. Streckenlasten, Lastenermittlung, Bodenpressung  und der Fundamente nimmt sich dieser Elementar- und Gleichgewichtskräfte an. Der erste Teil umfaßt so um die 144 kleinformatige Taschenbuchseiten, um notwendige Grundlagen zu vermitteln. Im 2. Teil werden die passenden Anwendungen aufgeführt: Fachwerk, Dachstühle, Bauwerkslücken, Erddruck, Hänge- und Sprengerwerke und anderes mehr. Auch hier bilden mathematische Formeln und der Rechenweg die praxisorientierte Einheit mit der Beschreibung. Vorwiegend schematische Zeichnungen ergänzen das Bild.
 
Bei Gottfried Leicher folgen auf Fachwerk die Zug-  und Druckstäbe, was letztlich nur eine Unterscheidung zwischen den beiden Wirkungskräften Druck oder Zug darstellt. In Kapitel 9 wird die  Gebäudeaussteifung, einmal mit und einmal ohne Deckenscheibe beschrieben. Behandelt werden Holzskelettbauten,  Mauerwerksbauten und Hallen.
 
Das nächste Kapitel untersucht Stahlbeton in charakteristischen Tragsystemen, nimmt konstruktive Grundlagen sowie deren  Biegebemessung auseinander. Stützen, Wände und Decken aus Stahlbeton sind Bestandteil der Lehrbeispiele.  Kapitel 11 befaßt sich schließlich mit Gründungen. Nimmt den Baugrund, untersucht Flachgründungen, Pfahlgründungen und gibt Vorschläge für eine Baugrundverbesserung. Am Schluß des Bandes findet sich auf den letzten 10 Seiten noch ein ausführliches Stichwortverzeichnis.
Last modified on Dienstag, 04 August 2015 21:38
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